Ahnentafel und Stammbaum




Seit dem Ende des Mittelalters spielten Genealogien als Mittel der Legitimation und damit zur Festigung und Repräsentation dynastischer Herrschaftsansprüche eine bedeutende Rolle. Eines der wichtigsten Kriterien bei der Rangzuweisung war das Alter einer Dynastie. Je weiter die Herrschaft zurückverfolgt werden konnte, desto größer war der Herrschaftsanspruch. Mit diesem Ziel wurden Spezialgenealogien von den Höfen in Auftrag gegeben und finanziert.
Die wesentlichen Darstellungsformen zur Präsentation und Ordnung diesbezüglichen Wissens waren Stammbäume und Ahnentafeln. Die durch aufwändige und somit teure Druckverfahren publizierten Stammbäume richteten sich vor allem an die Standesgenossen. Bei den Ahnentafeln handelte es sich um eine einfachere und damit günstigere Darstellungsmethode, die vor allem der wissenschaftlichen Genealogie als Arbeitsinstrument diente. Ein bedeutender Vertreter der gelehrten Genealogie war der Begründer des lutherischen Pietismus Philipp Jakob Spener (1635-1705), dessen »Theatrum Nobilitates Europeae« zu den bedeutendsten genealogischen Werken des 17. Jahrhunderts gehört. Speners Ahnentafeln waren in ihrer Form richtungsweisend. Im Gegensatz dazu orientierten sich die gleichzeitig massenhaft publizierten und wissenschaftlich anspruchslosen universalgenealogischen Serien und Periodika am kommerziellen Erfolg. Aus ihnen gingen im Laufe des 18. Jahrhunderts die historisch-genealogischen Kalender hervor.
Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts etablierte sich die Genealogie als Teildisziplin der historischen Hilfswissenschaften. Dazu trugen Werke wie Johann Gottfried Gregoriis (1685-1770) »Aller Durchläuchtigen Hohen Häuser In Europa … Neueste Genealogien, von 1500 biß 1707«, die nach katechetischer Lehrmethode im Frage-Antwort-Wechsel aufgebaut waren, bei.
In der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen befinden sich zahlreiche Werke der frühneuzeitlichen Genealogie, die mit ihrer teils prächtigen Gestaltung, teils monumentalen Aufmachung im Mittelpunkt der Kabinettausstellung aus Anlass des 400. Geburtstags des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) stehen.