Genealogischer Stamm Baum Aller Marggrafen und Chur Fürsten zu Brandenburg. Auch des Herzoglichen und nunmehro Königl. Hauses Preussen.
Augsburg : Seutter, [ca. 1755].
BFSt: 60 C 16 (IV)
Stammbäume

Ein Stammbaum bezeichnet die bildliche realitätsnahe Wiedergabe eines Baumes, auf dem Verwandtschaftsbeziehungen eingetragen werden. Traditionelle Stammbäume verzeichnen die Nachkommen über die männliche Linie (»Agnaten«) in aufsteigender Folge, d. h. die Ahnen unten, beginnend mit den Stammvater des Geschlechts in der Wurzel des Baumes, und die Nachkommen oben, d. h. in den Ästen darüber die Kinder und deren Nachfahren. Verwandte über die weibliche Linie bezeichnet man als »Kognaten«.
Stammbäume, die in teuren druckgraphischen Verfahren vorwiegend als Einzelblätter hergestellt wurden, fanden seit dem 15. Jahrhundert weite Verbreitung.
Stammbaum der Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg und Könige von Preußen bis auf Friedrich II. (1712-1786). Das Adelsgeschlecht der Hohenzollern, zu dem auch die Kurfürsten und Markgrafen von Brandenburg gehörten, wird hier bis auf den an Position 1) genannten mythischen Grafen Isenbart von Altdorf, der im 8. Jahrhundert gelebt haben soll, zurückgeführt. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg, ist an Position 166) des Stammbaums verzeichnet.
Genealogischer Stamm Baum Aller Marggrafen und Chur Fürsten zu Brandenburg. Auch des Herzoglichen und nunmehro Königl. Hauses Preussen.
Augsburg : Seutter, [ca. 1755].
BFSt: 60 C 16 (IV)
Stammbaum des Hauses Österreich von Lanzelin, Graf zu Habspurg (-991) bis Kaiser Karl VI. (1685-1740). Karls Kinder, darunter seine Tochter Maria Theresia (1717-1780), die aufgrund eines fehlenden männlichen Thronfolgers seine Nachfolgerin wurde, sind bereits mit aufgeführt.
Vorstellung des […] Stamm-Baums Des Allerdurchlauchtigsten Ertz-Hauses Oesterreich Von seinem Uhralten Ursprung Bis Auf Gegenwärtige Zeiten.
Augsburg : Seutter, [ca. 1725].
BFSt: 60 C 16 (II)
Eines der wichtigsten Kriterien bei der Rangzuweisung war das Alter einer Dynastie. Cyriacus Spangenberg (1528-1604) formulierte in seinem Werk „Adels Spiegel“, einem der wichtigsten Adelstraktate dieser Zeit, dass der ‚Erbadel‘ seine Stellung und Achtung „wegen altes herkomens. Wie denn alter vnd Antiqueteten allezeit aller wirden vnd ehren werth sind“ genieße. Je weiter die genealogischen Anfänge zurücklagen, umso größer waren die daraus abgeleiteten Herrschaftsansprüche. Mit diesem Ziel wurden umfangreiche und prächtig gestaltete Spezialgenealogien von den Höfen in Auftrag gegeben und finanziert. So erhielt z. B. Ernst Brotuff (1497-1565) vom Fürsten Georg III. von Anhalt (1507-1553) den Auftrag, eine Genealogie des anhaltinischen Fürstenhauses zu verfassen.
Im Gegensatz dazu waren die von privaten Verlagen herausgegebenen Universalgenealogien wirtschaftlichen Zwängen unterworfen und mussten sich auf dem Buchmarkt behaupten. Sie griffen bei der Darstellung genealogischer Zusammenhänge auf einfachere und damit günstigere Darstellungsmethoden wie Ahnentafeln und Baumdiagramme zurück.
Cyriacus Spangenberg war nach dem Theologiestudium in Wittenberg als Pfarrer in Mansfeld tätig. Wegen theologischer Streitigkeiten musste er Mansfeld Anfang der 1580er Jahre verlassen und floh nach Straßburg. In Straßburg verfasste er, weiterhin unterstützt von den Mansfelder Grafen, von denen einer Kanoniker in Straßburg war, zahlreiche Auftragswerke für adlige Gönner, wie z. B. die »Mansfeldische Chronica« (1572), die »Sächssische Chronica« (1583), die »Querfurtische Chronica« (1590), den »Adels Spiegel« (1591), die »Hennebergische Chronica« (1594) und das nach seinem Tode erschienene »Chronicon [...] der Hochgebornen Uhralten Graffen Zü Holstein Schaümbürgk« (1614). Aufgabe dieser Schriften war die Legitimierung der Adelsherrschaft: entweder des Adels im Allgemeinen, wie im »Adels Spiegel«, oder der einzelnen Geschlechter wie in den Chroniken. Der »Adels Spiegel« war das einflussreichste Adelstraktat seiner Zeit. Das ausgestellte Exemplar stammte aus dem Besitz des Eislebener Stadtvogts Friedrich Bräutigam (um 1606/1620), dessen Bücher in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen überliefert sind und auf dem Einband das Wappen der Grafen von Mansfeld tragen.

Spangenberg, Cyriacus: Chronicon In Welchem der Hochgebornen Uhralten Graffen Zü Holstein Schaümbürgk Ster[n]berg und Gehmen ankünfft [...] wie lange sie [...] das Hertzogthümb Schlesswich Innen gehabt [...] Aüch Nahmen herkom[m]en genealogia oder Stambaüm aller Graffen leben Friedes und Kriegeshandlüng Thaten [...] deütlich beschrieben. Stadthagen : Fürstliche Druckerei, 1614.
Ernst Brotuff (1497-1565) verfasste das 300 Seiten und 200 Wappenabbildungen umfassende Werk im Auftrag des Fürsten Georg III. von Anhalt (1507-1553). Im Zuge der Reformation versuchte das anhaltinische Fürstenhaus seine landesherrliche Stellung auszubauen, mittels Genealogie und Chronik das Alter der Fürstenfamilie herauszustellen und seine Herrschaft zu legitimieren. Ursprünglich führte man das Geschlecht der Anhaltiner auf den römischen Adel zurück. Brotuff folgte aber der autochthonen-germanischen Traditionslinie und benannte »Bernthobaldus von Ballenstedt und Ascanie« als Stammvater der »Askanier« bzw. des anhaltinischen Geschlechts.
Die Erstausgabe dieser umfangreichen Hausgeschichte der Habsburger erschien 1592.
Gerardus Roo (-1590) macht auf S. 2 auf das Problem aufmerksam, dass die Abstammung von Noah auch ein Problem darstellen könne, da die Abstammung in diesem Falle mit den »geringsten leuth« geteilt werde. Wahrscheinlich beginnen die frühneuzeitlichen Stammbäume aus diesem Grund bei den frühmittelalterlichen Ahnen. Aus dem vorliegenden Werk ist ein prächtig gestalteter Stammbaum der Habsburger, der aus Porträts der einzelnen Herrscher und ihren Wappenschildern besteht, zu sehen.