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Genealogische Werke des 17. Jahrhunderts

Adlige Erziehung um 1630 beinhaltete auch die Kenntnis von den eigenen Vorfahren.

Genealogisches und heraldisches Grundwissen gehörte zum allgemeinen Bildungsgut, um die Systematik der Wappenanordnung auf Grabdenkmälern oder Gedenkblättern zu erkennen. Das Wissen dazu wurde jungen Adligen an den Ritterakademien vermittelt.

Die zunehmende Verbreitung von Zeitungen sorgte auch in weniger gebildeten Kreisen für eine steigende Nachfrage nach genealogischen Druckwerken, die grundlegendes Orientierungswissen vermitteln sollten. Die »Tübinger Tabellen«, die in mehreren aktualisierten Auflagen erschienen, sind dafür ein gutes Beispiel.

Diese anonym erschienenen Stammtafeln aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts genossen als »Tübingische Tabellen« hohe Popularität. Zwischen 1656 und 1695 erschienen fünf erweiterte aktualisierte Ausgaben dieser Universal-Genealogie, die sich aufgrund ihrer Übersichtlichkeit – sie bildeten nur die relevanten Informationen zu den Herrschergeschlechtern ab – großer Beliebtheit erfreuten. Das vorliegende Exemplar stammt aus dem Besitz des Halberstädter Superintendenten Justus Lüders (um 1656-1708) und zeigt die Genealogie des Hauses Brandenburg-Preußen mit Notizen Lüders.

Das Werk gehört zur universalgenealogischen Literatur, die ab Mitte des 17. Jh. zahlreich erschien und in direktem Zusammenhang mit dem aufstrebenden Zeitungswesen stand. Die in den Zeitungen des 17./18. Jahrhunderts enthaltenden Nachrichten aus den regierenden Häusern wurden ohne Namen der Herrscher publiziert und waren ohne genealogische Kenntnisse nicht verständlich. Zur Ermittlung der Namen und genealogischen Zusammenhänge dienten Werke wie die hier vorgestellte »Genealogia«.

Auf dem Kupfertitelblatt sind 15 Palmen mit Wappen an ihrem Stamm zu sehen. Sie stehen für die 15 im Buch behandelten Adelshäuser. In genealogischen Werken der Frühen Neuzeit setzte man bewusst bestimmte Pflanzen und Bäume wie Palmen und Zedern ein. Sie stehen für biblische Bäume, die durch den 92. Psalm, Vers 12 miteinander verknüpft sind: »Der Gerechte wird grunen wie ein Palmbawn / Er wird wachssen wie eine Ceder auff Libanon.«

Genealogische Werke des 18. Jahrhunderts

Seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts etablierte sich die Genealogie als Teildisziplin der historischen Hilfswissenschaften. Dazu trugen Werke wie Johann Gottfried Gregoriis (1685-1770) »Das jetzt-lebende Europa oder genealogische Beschreibung aller jetzt lebenden durchlauchtigsten Häupter [...] in auserlesenen Fragen vorgestellet«, die nach katechetischer Lehrmethode im Frage-Antwort-Wechsel aufgebaut waren, bei. Auch der Pädagoge Johann Hübner (1668-1731), Rektor des Johanneums in Hamburg, war ein Vertreter dieser Lehrmethode. Er verfasste zahlreiche Lehrbücher auf dem Gebiet der Geographie, Politik und Genealogie, die viele Auflagen über seinen Tod hinaus erfuhren und auch in den Schulen des Halleschen Waisenhauses Anwendung fanden.

Im Gegensatz dazu orientierten sich die gleichzeitig massenhaft publizierten und wissenschaftlich anspruchslosen universalgenealogischen Serien und Periodika am kommerziellen Erfolg. Aus ihnen gingen im Laufe des 18. Jahrhunderts die historisch-genealogischen Kalender hervor, die im Kleinformat ohne streng wissenschaftlichen Anspruch herausgegeben wurden (z. B. der »Gothaische Hofkalender«).

Benjamin Hederich (1675-1748) wurde in Geithain geboren. Nach dem Besuch der Fürstenschule Grimma studierte er in Leipzig und Wittenberg und war als Lehrer an der Schule des Klosters Berge tätig, bevor er Rektor in Großenhain wurde. Nebenbei verfasste er Lehr- und Wörterbücher sowie Lexika. Bereits in seiner »Anleitung« von 1709 nennt er Geographie, Chronologie, Genealogie und Heraldik »historische Wissenschaften« und nimmt damit den Begriff »Historische Hilfswissenschaften« vorweg.

Bei dem Werk des Juristen Christoph Hermann von Schweder (1678-1741) handelt es sich um eine Darstellung der Rechtsansprüche der europäischen Monarchen und anderer Würdenträger. Es hat ein dreigeteiltes Titelkupfer, in dessen Mitte die allegorischen Darstellungen von »Historia«, »Geographia«, »Jurisprudentia« und rechts außen der »Genealogia«, die einen ausgerollten Stammbaum in der Hand hält, zu sehen sind; hier wird die Rolle der Genealogie bei der Durchsetzung von Machtansprüchen der von Geschichte, Geographie und Rechtsprechung gleichgesetzt.

Johann Gottfried Gregorii (1685-1770) war Theologe, Geograph, Historiker und Genealoge. Er verfasste zahlreiche Bücher mit geographischen Inhalten, wie z. B. Atlanten, Reiseführer, des weiteren Speziallexika, musikwissenschaftliche Schriften und genealogische Werke, die über Jahrzehnte in mehreren Auflagen erschienen sind und zu den Standardwerken auf ihren jeweiligen Fachgebieten zählten. Die meisten davon publizierte er unter dem Pseudonym »Melissantes«. Zwischen 1715 und 1733 veröffentlichte er seine fünfbändige genealogische Beschreibung des europäischen Adels unter dem Titel »Das jetzt-lebende Europa«.

Das genealogische Tabellenwerk Johann Hübners (1668-1731) erlebte zahlreiche Neuauflagen. Die Fragen erschienen gesondert unter dem Titel »Kurtze Fragen aus der Genealogie«. Sie sind in der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen nicht überliefert. Aufgeschlagen sind zwei Tafeln, die die Teilung des Hauses »Anhalt« wiedergeben.

Verfasser dieses Werkes ist der einzige überlebende Sohn Johann Hübners (1668-1731), Johann Hübner d. Jüngere (1703-1758). Er wirkte in Hamburg als Jurist, gab zahlreiche Neuauflagen der Werke seines Vaters nach dessen Tode heraus und war selbst erfolgreicher Autor genealogischer Schriften. Die Erstauflage dieses genealogischen Lexikons erschien 1727. Im Vorwort der ersten Ausgabe schrieb Hübner Junior: »Ich nenne es endlich ein 'Lexicon Portatile' [d.i. Taschenlexikon], weil es so abgefasset ist, daß es jedermann bey sich tragen kan[n]«.

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Philipp Jakob Spener

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