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Philipp Jakob Spener (1635-1705), in erster Linie bekannt als Theologe und Begründer des lutherischen Pietismus, war auch ein bedeutender Genealoge und Heraldiker.

Sein Hauptwerk »Theatrum nobilitates Europeae« gehört zu den beachtlichsten genealogischen Werken des 17. Jahrhunderts. Seine genealogischen Schriften zeichneten sich durch Genauigkeit, umfassende Sach- und Literaturkenntnis und Wissenschaftlichkeit aus, weshalb sie bei Zeitgenossen hohes Ansehen genossen.

Spener gilt auch als Begründer der wissenschaftlichen Heraldik. Vor ihm beschäftigten sich die Heraldiker mit der Feststellung und Beschreibung der Wappen und legten diese z. T. sehr phantasievoll aus. Spener hingegen entwickelte ein System zur Wappenbeschreibung, ausgehend von den drei Einzelteilen eines Wappens, nämlich Schild, Helm und Zusatzteile, und erläuterte sie nach ihrer staatsrechtlichen Bedeutung und Geschichte. Spener war auch als heraldischer Berater von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg (1657-1713), dem späteren König Friedrich I. in Preußen, tätig und maßgeblich an der Gestaltung des königlich preußischen Wappens von 1701 beteiligt.

Die Seite zeigt das von Philipp Jakob Spener entwickelte abstrakte Grundschema einer Ahnentafel (lat. »tabula progonolicae«), das in seiner Form richtungsweisend war. Die Ahnentafel beruht auf einem festen Algorithmus, der auf der einfachen Verdoppelung der Vorfahren pro Generation beruht. Spener geht von einer Person, nach der gefragt wird (»Persona de qua quaeritur«), aus. Danach folgen deren Mutter und Vater, danach wieder deren Eltern usw., bis 62 Ahnen erfasst sind. Gelesen wird von links nach rechts. Zusätzlich entwickelte Spener ein Numerierungssystem (römische Zahlen), mit dessen Hilfe die Ahnen unterschiedlich gruppiert werden können.

Speners »Theatrum Nobilitates Europeae« gehört zu den bedeutendsten genealogischen Werken des 17. Jahrhunderts. Es umfasst insgesamt sechs Teile. Das Titelblatt des ersten Teils (Abb. 1) zeigt einen von Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) ausgehenden Stammbaum. Er weist Ferdinand als Ahnherren zahlreicher europäischer Herrscherfamilien aus. Im Werk selbst werden aber nur schlichte Ahnentafeln nach dem von Spener entwickelten Schema zur Abbildung genealogischer Zusammenhänge verwendet, wie z: B. die Ahnentafel für den habsburgischen Kaiser Leopold I. (1640-1705) 

Bereits während seines Studiums in Straßburg kam Spener mit dem Gebiet der Wappenkunde in Berührung. In Frankreich war der Jesuit Claude François Menestrier (1631-1705) auf dem Gebiet der Heraldik federführend. Spener stand seit 1662 mit Menestrier in Kontakt und wurde von ihm zur Herausgabe heraldischer Werke angeregt. Nach Menestrier besteht ein Wappen aus 14 Teilen. Spener vereinfachte Menestriers System der Wappenbeschreibung, in dem er es von 14 auf drei Teile reduzierte: Schild, Helm und Zusatzteile. Diese Systematik hat bis heute Gültigkeit. Das erste heraldische Werk von Spener »Insignia Serenissimae Familiae Saxonicae […]« war bahnbrechend für die Heraldik. Erstmals wurde ein Wappen, hier das kursächsische Wappen, wissenschaftlich erklärt.

In seinem monumentalen, fast 800 Seiten umfassenden Werk »Historia Insignum, Illustrium Seu Operis Heraldici Pars Specialis [...].« (1680) erklärte Spener die Wappen des europäischen Hochadels wissenschaftlich nach ihrer staatsrechtlichen Bedeutung und ihrer Geschichte. Der theoretische Teil zum vorgenannten Werk erschien zehn Jahre später.

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Philipp Jakob Spener

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